Pilze sammeln und bestimmen

Wer im Wald nach Nahrung sucht hat in Mitteleuropa mit Pilzen die besten Karten. Doch welche Pilze kann man essen, wie erkennt man sie und wie bereite ich sie am besten zu? Damit ihr das Pilze sammeln genießen könnt und nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommt, erfährt ihr hier alles was ihr zu diesem Thema wissen müsst.

Pilze sammeln mit App

Ich benutze selbst eine App zum Pilze sammeln. Wichtig: Die App alleine darf nie eine Entscheidungsgrundlage sein! Die App ist für mich eine Hilfe, damit ich im Lexikon der Pilze an der richtigen Stelle nachschauen kann. Ein gutes Fachbuch zur Bestimmung gibt auch genaue Informationen dazu, in welcher Umgebung der Pilz wächst und wie der Querschnitt aussieht, wenn man ihn aufschneidet.

Bei meinem Selbstversuch lag die App Großteiles richtig, bei einem Pilz war das Ergebnis aber aus unterschiedlichen Fotoperspektiven jeweils ein anderes!

Eine weitere große Überraschung in meinem Selbstversuch war, dass es bei unseren Wäldern in Vorarlberg extrem viele giftige Pilze gibt, auch einige tödliche. Das Schweizer Fernsehen SRF hat die beliebtesten Apps durchgetestet und sie durchwegs als mangelhaft eingestuft.

Pilzbestimmung

Um einen Pilz zu erkennen gilt es möglichst viele Informationen zu sammeln:

  • Foto der Umgebung, wie ist der Untergrund?
  • Wächst der Pilz einzeln oder als Büschel?
  • Wie sehen ein junges und ein ausgewachsenes Exemplar aus?
  • Wie sieht ein ausgewachsenes Exemplar im Querschnitt aus?

Auch Fruchtkörper die sich auf den ersten Blick recht ähnlich sehen können so mit einem Fachbuch gut unterschieden werden.

Wie viele Kilo Pilze darf man sammeln?

In der Herbstzeit strömen die Sammler in den Wald, die Körbe sind oft reichlich gefüllt. Doch was gibt es dabei zu beachten?

Pilze sammeln in Deutschland

In Deutschland darf den Eigenbedarf decken. Pro Tag und Person gelten 1 Kilogramm als Richtwert. Ebenfalls verboten ist es willkürlich Pilze abzuschneiden um sie dann später zu bestimmen.  

„Schwammerln“ sammeln in Österreich

In Österreich darf der Waldbesitzer grundsätzlich das Sammeln verbieten. Wenn es keine Hinweisschilder zu sehen sind, kann man auch in Österreich den Eigenbedarf decken, der gesetzlich mit 2 Kilogramm geregelt wurde.

Wichtig: Eine österreichische Eigenheit ist, dass es ausdrücklich und mit hohen Strafen verboten ist zu Sammelveranstaltungen aufzurufen. Dazu zählen auch Facebook Events. 

„Freiheitsstrafe bis zu einer Woche für die Durchführung von oder Teilnahme an Pilz- und Beerensammelveranstaltungen.“

Österreichisches Forstgesetz

Situation in der Schweiz

In der Schweiz lässt sich die Frage nicht so einfach beantworten, da die Kantone regional eigene Regeln festlegen können. Daher gibt es unterschiedliche Mengen die man legal sammeln darf und auch Schontage. Hier findest du eine regionale Übersicht.

Pilze nach dem sammeln transportieren

Wenn die leckeren Pilze geerntet wurden ist es natürlich wichtig, sie unbeschadet zu transportieren. Dafür sollten sie nicht zu warm werden und gut belüftet werden. Neben einem Korb ist der Jutesack in der Community immer beliebter.

Pilzsaison

Die Hochsaison startet im Spätsommer und zieht sich bis Ende Herbst. Ab August findet man in Mitteleuropa viele Champignonarten, zum Beispiel der Wiesenchampignon oder der Waldchampignon, den man auch oft bei Wanderungen in den Alpen finden kann.

Welche Pilze wachsen im Frühling?

  • Morcheln
  • Mairitterling

Im Frühling findet man vor allem Morcheln. Die besten Chancen hat man in Auwäldern.  In den flacheren Regionen Deutschlands hat man auch gute Chancen auf den Mairitterling zu treffen. Beim Mairitterling ist aber Vorsicht geboten, da er mit dem giftigen Mai-Risspilz verwechselt werden kann.

Leider gilt es hier festzustellen, das Sammeln im Frühling ist nur etwas für Profis!

Pilze im Sommer und Herbst

Die Hauptsaison beginnt im August und endet mit den ersten kalten Frostnächten Ende Oktober.  Der beliebteste Speisepilz in Deutschland ist der Steinpilz.

Zelten im Wald

Darf man im Wald ein Zelt aufbauen um eine Nacht in der Natur zu verbringen? Die Antwort in Deutschland und Österreich ist grundsätzlich „nein“. Es gibt aber einige Möglichkeiten um legal im Wald zu übernachten!

Wildcampen in Österreich

In Österreich wird das Campieren auf der Ebene der Bundesländer geregelt. Das Bundesland Tirol ist sehr streng, die Steiermark hat viele legale Wildcamping Gebiete und Vorarlberg lässt die Bürgermeister vor Ort entscheiden.

Tipp: Viele Vorarlberger Gemeinden haben auf ihrer Webseite sogenannte Campingplatzverordnungen mit Karten. Hier kann man ablesen, wo man ungestraft ein Zelt aufstellen darf.

Das Wildcampen im Wald ist allerdings laut Forstgesetz verboten.

„Das Lagern (längerer Aufenthalt an einem bestimmten Platz) bei Dunkelheit oder das Zelten im Wald ist jedoch, genauso wie das Campieren mit Wohnwagen oder das Übernachten in einem Fahrzeug, grundsätzlich verboten“

Österreichisches Forstgesetz

Wer auf Nummer sicher geht, sucht sich in Vorarlberg eine Gemeinde die laut Campingplatzverordnung legale Gebiete ausweist und bleibt dann für eine Nacht am Waldrand.

Besonders hartes Vorgehen gegen Wildcamper in Tirol

Tirol hat Wildcampern den Kampf angesagt (ORF Tirol). Ehrenamtliche Mitglieder der Bergwacht suchen aktiv nach Menschen die im Zelt oder Wohnwagen übernachten.  Jede Person die dabei erwischt wird muss mit einer Geldstrafe von 220 Euro rechnen.

Das Ganze ist natürlich kein Zufall. Laut Tiroler Campingplatzgesetz fließen die Einnahmen der Gemeinde zu. Ehrenamtliche Personen auf die Suche nach Naturfreunden zu schicken ist also ein gewinnbringendes Geschäftsmodell für die betreffenden Gemeinden.

Schlafen im Freien

In den meisten deutschen Bundesländern ist das Zelten im Wald verboten, das Übernachten ohne Zelt aber nicht. Man kann sich also Isomatte, Schlafsack und Tarp schnappen und im freien übernachten. Auch eine Hängematte sollte keine großen Probleme bereiten.

Für Deutschland und Österreich gilt, dass das Lagern und Campieren im Naturschutzgebiet verboten ist.

Erwischt beim Lagerbau und Waldcampen?

Wenn man mit einem Zelt beim Wildcampen im Wald erwischt wird ist das eine Verwaltungsübertretung. Also ähnlich wie wenn man bei Rot über die Ampel geht. Wenn man nichts kaputt macht, kein Feuer macht und keinen Müll hinterlässt und sich auch leise verhält, denke ich, dass man vielleicht gar nicht unbedingt hart bestraft wird. Abgesehen vom Sonderfall Tirol, bei den finanziellen Interessen im Vordergrund zu stehen scheinen.

Tipp: Freundlich sein – versetz dich in die Lage der Person

Wenn mich ein Förster beim Zelten sieht würde ich auf jeden Fall freundlich grüßen und das Gespräch mit ihm suchen. Es macht auch Sinn sich in die Lage der anderen Person zu versetzen. Du bist ein Jäger oder Förster und siehst wie jemand in deinem Wald campiert.. Da fragst du dich doch, was ist das für einer? Macht der etwas kaputt?

Tipps: Möglich weit weg von Menschen

Um Konflikte zu vermeiden suche ich Gebiete in denen es unwahrscheinlich ist, dass Menschen vorbeikommen. Es gibt auch viele Waldgebiete in denen kaum ein Mensch vorbeikommt. Wer einfach einmal total abschalten möchte und ein richtiges Naturabenteuer erleben möchte kann ja hier sein Glück suchen.

Bushcraft mit Tarnnetz

Zelten mit Tarnnetz Bei meinen Bushcraft Touren habe ich auch meistens ein Tarnnetz dabei. Das wirkt auf den ersten Blick etwas militaristisch, hat aber durchaus seinen Sinn. Denn ein normales Zelt fällt oft schon von weiter Entfernung im Wald auf. Menschen die ein Zelt sehen, werden vielleicht neugierig oder sogar nervös. Ein gut getarntes Zelt fällt dem menschlichen Auge nicht auf und alle beteiligten haben ihren Frieden.